Emergency Room - Der EVK Blog

Das Notfallkrankenhaus für den gesamten Niederrhein

MANV – Massenanfall von Verletzten

Eine Herausforderung für Rettungskräfte und Notfallmediziner! Dunkelheit, starker Regen der gegen die Windschutzscheibe spritzt, die Scheinwerferlichter der entgegenkommenden Fahrzeuge erschweren die Sicht und schwierige Fahrbahnverhältnisse sorgen für Unsicherheiten bei so manchem PKW/LKW ...  Solche Situationen kennt doch jeder, oder?

Eine nasse Straße und der Bremsweg wird plötzlich länger oder man kommt sogar ins Rutschen und das Fahrzeug bricht kurz aus … Oft kommt man mit dem Schrecken davon, aber was, wenn nicht und der Fahrer hinter einem reagiert nicht schnell genug?!

Genau diese Straßenverhältnisse waren heute Morgen auf der A3 auf meinem Weg zur Arbeit ins EVK. Da kann man schon einmal ein mulmiges Gefühl haben… Denn, wenn bei solchen Straßenverhältnissen auch nur einer nicht aufpasst, kann das schwerwiegende Folgen haben, ganz egal, ob auf einer Autobahn oder Landstraße. Kommt es zu einer solchen Karambolage, dann gibt es meistens auf einen Schlag eine große Anzahl von Verletzten, die schnellstmöglich versorgt werden müssen.

Die Experten unserer Klinik für Akut- und Notfallmedizin, Rettungszentrum sprechen dann von einem MANV – ein Massenanfall von Verletzten.

 

Es ist noch gar nicht so lange her, dass es genau zu einer solchen Großschadenslage hier im Kreis Wesel gekommen ist. Regionale Rettungsdienste, unsere Notärzte, Einsatzkräfte der Feuerwehr und Polizei waren schnell vor Ort und sofort im Einsatz. Ganz essentiell bei einem solchen MANV ist die rasche Wiederherstellung von Ordnung und Struktur, um allen Betroffenen möglichst schnell eine adäquate medizinische Versorgung zuzuführen. Verletzte wurden triagiert, lebensrettende Maßnahmen mussten sofort eingeleitet und der zügige Transport mit Rettungsfahrzeuge oder Helikopter koordiniert werden. Parallel haben sich die Ärzte und Fachpflegekräfte des Rettungszentrums (ZentraleNotaufnahme) im EVK auf das Eintreffen von Schwer- und Schwerstverletzter vorbereitet. Unsere internen Ablaufschemata starten sofort beim der Meldung eines Großschadensereignis. Unter anderem bedeutet die Vielzahl von Verletzten, dass Kapazitäten freigemacht und beispielsweise elektive Eingriffe kurzfristig verschoben werden, damit OP-Säle, Chirurgen und Fachpflegekräfte frei sind. Auch die Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin ist involviert. Zusätzlich kann es zu Alarmierung von dienstfreiem Mitarbeitenden kommen.

 

Eine medizinische und logistische Höchstleistung sowohl für die Rettungsaktionen direkt vor Ort beim MANV wie auch für alle Kräfte hier im Notfallkrankenhaus.  

 

Damit dies im Fall der Fälle eines MANV reibungslos funktioniert stehen alle Beteiligten in regem theoretischen und praktischen Austausch.

 

 

„In MANV-Situationen kommt es in Abhängigkeit von der ausgerufenen MANV-Stufe (Anzahl der Beteiligten Personen an einem Schadensereignis) vor allem auf ein gutes Zusammenspiel zwischen Rettungsdienst und Notaufnahme an. Das Stichwort lautet Triage; hier werden diejenigen Patienten am Unfallort zunächst gesichtet und in Risikokategorien eingeteilt, etwa 'sofortige Versorgung nötig' oder 'nicht dringliche Behandlung'. In der Notaufnahme ist ein ähnliches Vorgehen unter dem Namen Manchester-Triage-System (MTS) etabliert. Dieses führt zwar bei offenkundig leicht betroffenen Patienten zu längeren Wartezeiten, kann aber schwer Verletzten die ganze erforderliche Expertise des Teams bieten. Auch ist wichtig, dass Patienten möglichst gleich auf 'geeignete' Krankenhäuser verteilt werden, d. h. Schwerverletzte direkt in ein nahegelegenes Traumzentrum wie dem hiesigen transportiert werden. Bei Großschadensereignissen (z. B. Chemieunfällen, Terroranschlägen, großen Verkehrsunfällen oder auch im Rahmen der aktuellen Coronapandemie) muss es Einsatzpläne in den Kliniken geben, wie Personal rekrutiert wird und Kapazitäten erweitert werden können.

 

Nach allem ist aber die Vermeidung solcher Ereignisse immer noch besser als jede noch so professionelle Behandlung. Daher gilt: Bleiben und fahren Sie umsichtig.“

 

Ihr

Jens Litmathe

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