Emergency Room - Der EVK Blog

Das Notfallkrankenhaus für den gesamten Niederrhein

Rock your Body oder Stayin! Alive

Am Wochenende die Morgensonne genutzt… rauf aufs Fahrrad und eine Runde durch den Wald zum See. Herrlich zu so früher Stunde, die frische klare Luft atmen, die Ruhe genießen, da kaum Menschen unterwegs sind, einfach Natur pur. Doch so beschaulich wie ich es mir gedacht hatte, wurde es dann doch nicht.

 

Mit Schwung bog ich in den Waldweg ein und sah vor mir, gut 500 Meter entfernt einen Jogger. Ich denke noch so bei mir, noch jemand, der wohl die gleiche morgendliche Idee hatte wie ich, da sehe ich ihn schon über eine quer zum Weg verlaufende Baumwurzel stolpern und der Länge nach hinschlagen. Der Aufschrei und das schmerzverzehrte Gesicht des Mannes lassen Böses ahnen. Bremsen, absteigen und Fahrrad zur Seite stellen, passieren fast gleichzeitig. Der Mann ist kreidebleich, hält sich den linken Fuß und hat offensichtlich starke Schmerzen. Kurze Begrüßung und ein Blick auf den inzwischen stark anschwellenden Knöchel sagen mir, hier muss ein Krankenwagen her, der Mann kann keinen Meter mehr weit laufen. Also Handy gezückt, die 112 gewählt und die Lage geschildert. Während wir gemeinsam auf den Notarzt warten, geht mir so durch den Kopf, was wenn es nicht „nur“ der Knöchel gewesen wäre, was wenn er mit Kreislaufproblemen zusammen gebrochen wäre, nicht mehr ansprechbar, kein Puls, keine Atmung? Alleine hier im Wald…

 

Erleichtert atme ich tief durch.

 

Wie gut, dass wir jedes Jahr eine Reanimationsschulung im Evangelischen Krankenhaus haben, auch die Patienten fernen Abteilungen. Im Geiste geh ich die verschiedenen Schritte durch: Bewusstsein und Atmung prüfen, dabei schauen, ob Fremdkörper im Mund/Rachen sind und diese ggf. entfernen.  Rettungsdienst rufen. Mit Herzdruckmassage und Atemspende im Verhältnis 30:2 beginnen, dabei auf gestreckte Arme und geraden Rücken achten. Für die richtige Frequenz der Herzdruckmassage an den Rhythmus von „Stayin' Alive“ von den Bee Gees oder Justin Timberlake  „Rock Your Body“ denken.  Also im Kopf mitsingen und im Rhythmus drücken. Mindestens 100 bis 120 Stöße pro Minute, also zwei Mal pro Sekunde. So lange bis der Notarzt eintrifft oder der Patient wieder alleine atmet. Ist man zu zweit, unbedingt alle zwei Minuten mit der Herzdruckmassage abwechseln. Das beugt Ermüdung vor. Denn es ist echt anstrengend und die Wiederbelebungsmaßnahmen sollten nur so kurz und so wenig unterbrochen werden wie möglich. Wichtig ist vor allem die Herzdruckmassage, denn nur durch sie wird der Kreislauf aufrechterhalten und Sauerstoff durch das Blut zu den Gehirnzellen transportiert. Ein Satz aus der letzten Schulung ist für immer hängen geblieben: Man kann nichts falsch machen… außer nicht zu drücken.

 

Zum Glück ist nochmal alles glimpflich abgelaufen. Dem Jogger kehrte langsam wieder Farbe ins Gesicht und von weitem erklang das Martinshorn … .  

 

 

 

 

 

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